GT zum Thema Spielstättensterben

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Göttingen. „Wir kämpfen ums Überleben“, sagen etwa Bea Roth und Karl Schrader vom Exil, einem der wenigen in der Göttinger Innenstadt verbliebenen Live-Clubs.

Idealismus, persönlichen Einsatz mit viel Aufwand würde das Exil-Team in den Betrieb des Clubs investieren. Nicht nur hohe Miete, steigende Kosten für Wasser, Gas und Strom machten den Fortbestand das Clubs unsicher. Kosten, die mit Blick auf das junge Publikum nicht über höhere Preise ausgeglichen werden könnten, sagt Roth. Hinzu komme das derzeit angespannte Verhältnis zum Vermieter, der Quadra Holding.

Auch Klaus Wissmann vom Verein Kreuzberg on Kultour schlägt Alarm. „In den vergangenen Jahren mussten leider immer mehr etablierte Spielstätten schließen“, schreibt er in seinem Appell „Spielstätten sterben stoppen“. Darin listet er zehn in den vergangene zwölf Jahren geschlossene Spielstätten für öffentliche Aufführungen auf, für die es bis heute keinen Ersatz gibt.

Schlechte Rahmenbedingungen

Nach Wissmanns Ansicht haben an dem Spielstättensterben meist „die verschlechterten Rahmenbedingungen für die betreibenden Gastronomen“ schuld. So seien in Göttingen gerade die kleinen Gastronomiebetriebe „zentral betroffen“. Minijob-Gesetz, Umsatzsteuererhöhung, „rapide steigende“ Energiekosten nennt Wissmann ebenso wie im Einzelfall steigende Abgaben für die Künstlersozialkasse oder die Gema.

„Dabei gehen nicht nur einfach Spielstätten verloren – die Stadt verliert Kneipen mit Charakter“, sagt Wissmann. „Gerade kleine Veranstaltungen machen die Stadt lebendig, abwechslungsreich und attraktiv.“ Er verweist auf das kulturpolitische Leitbild der Stadt, das von der Politik verabschiedet wurde.

Darin heißt es: „Ziel städtischer Kulturpolitik liegt nicht vorrangig im Bewahren von Erreichtem, sondern in der Schaffung von Freiraum für die Entwicklung aktueller Ausdrucksformen.“ Und weiter: „Neben der Unterstützung bei der Bereitstellung von Atelier- und Proberäumen, sind Ausstellungs- und Aufführungsmöglichkeiten erforderlich, aber auch Veranstaltungen, Aktionen und Festivals, um das Wirken der hier lebenden Künstlerinnen und Künstler sichtbar zu machen. Ein Schwerpunkt stellt hierbei die Förderung des künstlerischen Nachwuchses dar.“

Angesichts knapper Fördermittel in einem durch das Entschuldungshilfepaketes eingeschränkten städtischen Haushalts, müssten, so Wissmann,  andere Fördermöglichkeiten gefunden werden. So könnte die Stadt etwa bei der Akquise von Drittmitteln helfen.

Ringen ums „Stilbrvch“

Als „unverändert unsicher“ beschreibt das Kulturkollektiv, das das Programm für das „Stilbrvch“ auf dem Campus gestaltet, die derzeitige Situation des Studentenclubs.Verbindliches zur Zukunft des Stilbrvchs könne nicht gesagt werden.

„Seit Januar ist für uns klar, dass wir nicht wie bisher mit einem solidarischen AStA zusammenarbeiten“, heißt es in einem offenen Brief. Zwar würden Gespräche mit dem neuen Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), bestehend aus ADF, RCDS und UM, geführt, um eine Fortführung der Arbeit und eine „mittelfristige“ Loslösung des Stilbrvchs vom AStA zu erreichen. „Diese Gespräche verlaufen jedoch zunehmend schleppend.“

Das Kulturkollektiv wirft dem AStA vor, die bisherige Praxis bei der Terminvergabe durch das Plenum zu übergehen. Auch scheine der AStA studentische Kulturarbeit nicht besonders Wert zu schätzen. So sei bisher kein Kulturreferent gewählt worden. Für das Kulturkollektiv dränge hingegen die Zeit: Es häuften sich Anfragen von Veranstaltern.

In dieser Situation sei „grundsätzlich eine Loslösung des Stilbrvchs vom schwerfälligen AStA nötiger denn je“. und für eine kontinuierliche Arbeit „unerlässlich“.

Gegenüber dem Tageblatt beteuert die neue Vorsitzende des Allgemeinen Studierenden Ausschusses, Elena Hammoud (ADF), dass es zu einer Ausgründung des Stilbrvchs aus dem AStA kommen wird. Derzeit führe man mit dem Kulturkollektiv entsprechende Verhandlungen. Der AStA habe ein Interesse, dass das Stilbrvch weiter betrieben wird.

Allerdings wolle sich der AStA eine „gewisse Handhabe“ beim Programm vorbehalten, auch Haftungsfragen bei Veranstaltungen müssten geklärt werden

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