Stadtradio Göttingen: Neues Onlineportal „Musiker für Musiker“ online

Interview mit Klaus Wißmann
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In der Göttinger Musikszene herrscht ein dramatischer Mangel an Probenräumen und Auftrittsmöglichkeiten. Das findet der Göttinger Verein Kreuzberg on KulTour, der jetzt mit der neuen Internetplattform „Musiker für Musiker“ Abhilfe für das Problem schaffen will. Ziel der Seite ist es, geeignete und bezahlbare Proberäume an Musiker aus Südniedersachsen zu vermitteln. Julia Kleine vom Stadtradio Göttingen hat sich bei Klaus Wissmann über das neue Musikernetzwerk informiert.

 

Junge Göttinger Bands wie Kyles Tolone bereichern die lokale Musikszene und versuchen mit möglichst vielen Auftritten in Clubs und auf kleinen Bühnen der Region bekannt zu werden. Doch in Göttingen und Umgebung gibt es immer weniger Auftrittsmöglichkeiten für Musiker und auch Räume für Bandproben sind zurzeit Mangelware.

 

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Junge Göttinger Bands wie Kyles Tolone bereichern die lokale Musikszene und versuchen mit möglichst vielen Auftritten in Clubs und auf kleinen Bühnen der Region bekannt zu werden. Doch in Göttingen und Umgebung gibt es immer weniger Auftrittsmöglichkeiten für Musiker und auch Räume für Bandproben sind zurzeit Mangelware. Das neue Internetportal „Musiker für Musiker“ bietet jetzt Hilfe für dieses Problem. Die Seite wurde ins Leben gerufen von dem gemeinnützigen Verein Kreuzberg on KulTour. Die Idee dazu hatte Klaus Wissmann, der 1. Vorsitzende des Vereins:

 

O-Ton 1, Klaus Wissmann, 17 Sekunden

„Es muss halt einfach was passieren. Und einfach nur heulen und jammern reicht da nicht. Deswegen haben wir gedacht, wir machen Hilfe zur Selbsthilfe und ermöglichen den Leuten, sich dort mindestens erst mal einzutragen, in Kontakt zu treten und wir gucken dann, was wir helfen können an Vermittlung oder an Kontaktschaffung.“

 

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Die Internetplattform bietet den Musikern aus der Region ein vielfältiges Angebot. Dort kann man unter anderem nach Musikunterricht, neuen Bandmitgliedern, Tontechnik oder Hilfe bei der Gestaltung von Plakaten suchen. Außerdem gibt es an einem virtuellen „Schwarzen Brett“ auch die Möglichkeit, Musikerbedarf zu kaufen oder zu verkaufen. Besonders wichtig ist den Betreibern der Seite jedoch die kostenlose Vermittlung von Probenräumen und Auftrittsmöglichkeiten für Musiker und Bands aus der Region. Göttingen leide zurzeit an einem Spielstättensterben, bemängelt „Kreuzberg on Kultour“. Jüngstes Beispiel dafür sei die Blooming Bar, die Ende Februar dieses Jahres ihre Pforten schließen musste. Sehr eklatant sei auch der dramatische Probenraummangel in der Stadt. Und das, obwohl in Göttingen eigentlich schon überdurchschnittlich viele Proberäume vorhanden sind, erklärt Wissmann:

 

O-Ton 2, Klaus Wissmann, 19 Sekunden

„Die sind aber alle zurzeit ausgebucht und zum Beispiel von der Musa ist bekannt, dass also auf der Warteliste der Musa Leute teilweise zehn, elf, zwölf Jahre stehen. Also ich habe drei Leute bei mir im Archiv, die traurig sind, dass sie da seit über einem Jahrzehnt auf der Warteliste stehen. Da kann man nicht mehr von Vermittlungssituation sprechen, sondern das ist halt einfach... da stagniert es. Da geht gar nichts mehr.“

 

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Die Suche nach geeigneten Proberäumen ist gerade in der Universitätsstadt Göttingen besonders schwierig, weil hier überdurchschnittlich viele junge Menschen leben, die kreativ sind und in der kulturellen Szene der Stadt aktiv sein wollen. Der Raummangel in Göttingen ist schon lange bekannt. Er wurde aber von der Politik lange Zeit nicht richtig ernst genommen, findet Wissmann:

 

O-Ton 3, Klaus Wissmann, 16 Sekunden

„Im vergangenen Jahr ist es so, dass also noch unser jetzt scheidender Oberbürgermeister sich vehement dagegen gewehrt hat anzuerkennen, dass es überhaupt irgendeine Mangelsituation gibt. Wir waren schon kurz davor, eine Demonstration zu organisieren: ‚Wir sind der nicht vorhandene Probenraummangel’ und damit den Platz vorm Rathaus voll zu machen.“

 

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Eine gute Lösung für den Mangel an Proben- und Unterrichtsräumen für Musiker könnte für Wissmann die Nutzung der ehemaligen Voigtschule und der Baptistenkirche in der Bürgerstraße sein. Die Gebäude stehen momentan leer und sollen von der Stadt Göttingen verkauft werden. Der Kulturverbund hatte ein Kaufangebot vorgelegt, das allerdings vom Rat der Stadt abgelehnt wurde. Doch Klaus Wissmann könnte sich nach wie vor eine Vermietung der Gebäude an die Kulturschaffenden vorstellen. Noch ist die Zukunft der Gebäude nicht geklärt. Wie dringend günstige Probenräume gebraucht werden, zeige auch der bisherige Ansturm auf die Internetseite „Musiker für Musiker“, sagt Wissmann. Damit möglichst viele Lokalbands in Zukunft einen Ort zum Spielen haben, werden aber noch viele weitere Räume gebraucht:

 

O-Ton 4, Klaus Wissmann, 22 Sekunden

„Es wäre ganz toll, wenn Vermieter mal drüber nachdenken würden, also in Göttingen und Umgebung, drüber nachdenken würden, ob sie nicht vielleicht geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen können für Bandproben, Ensembleproben, das geht ja auch bis hin zu Chorproben, also auch im Klassikbereich. Ob sie da nicht Räume bereitstellen können für einen bezahlbaren Preis. Das wäre großartig, wenn sich da Leute melden würden.“

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