Kreativquartier statt Museum

Nachdem sich der SPD-Kandidat zur Wahl des Oberbürgermeisters, Rolf-Georg Köhler, bereits in der vergangenen Woche dafür ausgesprochen hat, die Gebäude Bürgerstraße 13 und 15 (ehemalige Baptistenkiche und Voigtschule) „zu einem wichtigen kulturellen Knotenpunkt unserer Stadt zu machen“, zieht der Konkurrent im Rennen um das Amt, Siegfried Lieske (Grüne), nun nach.

 

 

„Ich möchte, dass in der Bürgerstraße ein kreatives Zentrum entsteht, das neue Impulse für unsere Stadt setzt.“

Die Diskussion der vergangenen Monate habe gezeigt, dass der Bedarf und das Potenzial für ein solches „Kreativquartier“ in Göttingen da sei. Er könne sich vorstellen, dass so ein Zentrum auch für zivilgesellschaftliche Einrichtungen und Unternehmen aus der Kreativwirtschaft attraktiv wäre.

Den vom Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) ins Spiel gebrachten und von Köhler befürworteten Umzug des städtischen Museums in das Schulgebäude sieht Lieske inzwischen kritisch. Er fühle sich in seiner anfänglichen Skepsis bestätigt. „Dieser Einfall könnte sich als teurer Schnellschuss erweisen.“

Obwohl Umbau und Sanierung des jetzigen Museumsgebäudes sehr teuer würden, seien hektische Planänderungen unklug. Die Kosten für den Umbau des Schulgebäudes zu einem Museum wären „beträchtlich“.

„Endlich eine echte Chance“

„Gut Ding will Weile haben“, kommentiert der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gerd Nier,  Lieskes Ansinnen. Er erinnert daran, dass die Linke vor einem Jahr beantragte, nachdem alle Anträge auf Verbleib beider Gebäude in der Bürgerstraße im Besitz der Stadt gescheitert waren, „wenigstens ein Gebäude nicht zu veräußern“.

So sollte vor dem Hintergrund eines von Kulturinitiativen aufgezeigten Raummangels ein „kleiner Kompromiss zugunsten des Gemeinwohls“ erreicht werden. Mit einem Antrag zur Ratssitzung am Freitag, 16. Mai, wollen die Linken sicherstellen, dass es nicht nur bei „Lippenbekenntnissen“ bleibt und die Filmkunstfreunde, der Kulturbund und viele andere Initiativen „endlich eine echte Chance“ bekommen.

Mit der Bürgerstraße 13 und 15 muss sich der Rat ohnehin befassen: Die Verwaltung hat dazu einen Beschlussvorschlag vorgelegt. Zum einen soll der Rat den Abbruch der Verkaufsverhandlungen mit dem Galeristen Nathan Koch aus Bielefeld beschließen.

Einschätzung bis Mitte 2014

Koch sei nicht bereit, sich bei der Nutzung der Gebäude dauerhaft auf die Einrichtung eines Art Centers festzulegen. Hinzu komme, dass vom Käufer zusätzliche Forderungen an die „Bebaubarkeit des Grundstücks sowie die Zuwegung von der Bürgerstraße aus“ erhoben wurden. Koch hatte 1,2 Millionen Euro für die Gebäude geboten.

Zum anderen soll die Verwaltung beauftragt werden, „die Unterbringung des Städtischen Museums in das Gebäude Bürgerstraße 15 (ehemalige Voigtschule) zu prüfen und die notwendigen Maßnahmen und Kosten zu ermitteln“. Das Ergebnis einer ersten Einschätzung sollte bis Mitte 2014 vorliegen, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Gleichzeitig soll der Rat die Verwaltung ermächtigen, mit dem Verein Filmkunstfreunde Göttingen beziehungsweise einen für den Verein tätigen Erwerber die Kaufverhandlungen für die ehemalige Baptistenkirche für die Nutzung als Kino aufzunehmen.

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