Stadt muss Raum für Kultur schaffen

Eine Debatte über die Kulturförderung kann gegenwärtig nicht an dem Thema zukünftige Nutzung der ehemaligen Baptistenkirche und Voigt-Schule in der Bürgerstraße vorbei. Klare Konzepte – auch des Kulturverbundes und der Filmkunstfreunde – liegen vor. So waren sich die nur drei Oberbürgermeister-Kandidaten – Martin Rudolph (Parteilos) und Eckhard Fascher (Linke) fehlten – einig: Bedarf ist vorhanden. Während Rolf-Georg Köhler (SPD) auch eine Nutzung als Museumsstandort prüfen lassen will, kommt für Gerd Nier, er vertrat Fascher, und Katharina Simon (Piraten) nur eine Nutzung der Schule als Kulturelles Zentrum in Frage, das vielen Gruppen und Initiativen Raum gibt. Für Nier muss auch „das Schmuckstück Aula“ in der Schule weiter vielen Gruppen zur Verfügung stehen.

Laut Katharina Simon ist die vom Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) ins Spiel gebrachte Museumslösung ein dem Wahlkampf geschuldete wenig hilfreiche „Blendgranate“. Nicht festlegen möchte sich Siegfried Lieske (Grüne). Er steht dem Einzug des städtischen Museums in das Schulgebäude „eher skeptisch“ gegenüber.

Auf den Mangel von Proberäumen und Spielstätten wies erneut Klaus Wißmann vom Kulturbund hin. Hier sei die Stadt gefordert. Das stärkste Argument dafür liefert der Jazz-Musiker Jean-Paul Garbode. Er hat sich vor zehn Jahren um einen Proberaum in der Musa beworben. Fehlanzeige. Nun fährt er nach Kassel, hat dort einen Raum gemietet.

Kultur braucht Räume, aber auch Freiraum. Auf diesen Nenner brachte es einer der etwa 50 Zuhörer im Saal. Und den sollte die Politik in einer Stadt wie Göttingen schaffen.

Ob eine Stadt eine Musikschule und die Förderung von Top-Talenten bezahlt, darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Christine Büttner von der privaten Musikschule Musi-Kuss wünschte sich eine städtische Förderung von Kindern, die sich Unterricht nicht leisten könnten.

Bisher gibt es einen Sozialfonds der Musikuss-Eltern, die den Kindern helfen. Bespiel dafür: Natalie Voges sorgte mit feinem Klavierspiel für die Musik. Sie ist 13 und tritt demnächst beim Bundeswettbewerb auf. Gefördert wird sie mit jährlich 2000 Euro von Musi-Kuss. „Eigentlich eine Aufgabe der Stadt“, so Büttner.

Auch ein Thema: Die 100 000-Euro-Förderung für die BG-Profi-Basketballer. „Das geht gar nicht“, meinte ein Musiker. „Das muss dann für die Kultur auch möglich sein!“ Gegen dieses Argumentation Sport gegen Kultur: wehrte sich Köhler: Es ginge sowohl bei Kultur als auch Sport um die Stadt Göttingen und die positive Außendarstellung.

Von Thomas Kopietz

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